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Gefährdung:
Die Bestandverluste
lassen sich auf folgende Faktoren zurückführen:
Von entscheidender Bedeutung dürfte die Biotopzerstörung
sein - durch die Ausräumung und Begradigung der Gewässer
erfhöht sich die Fliessgeschwindigkeit und es fehlt an Verstecken.
Kleinstgewässer wie z.B. offene Wiesengräben sind weitgehend
verschwunden und der Grundwasserspiegel der Ländereien wurde
in der Vergangenheit ohne Rücksicht auf Flora und Fauna gesenkt.
Allerdings
fällt auf, dass die Art auch in Landschaften verschwunden
ist, die dem Edelkrebs eigentlich gute Bedingungen zu bieten scheinen.
So gibt es z.B. in der Mecklenburgischen Seenlandschaft unzählige
Lebensräume, die den Krebsen eigentlich gefallen müssten.
Doch auch hier sind sie selten. Noch vor 200 Jahren soll es sie
in praktisch jedem Strassengraben gegeben haben - die Tiere scheinen
also keineswegs übermässig anspruchsvoll zu sein. Man
muss deshalb auch andere Faktoren verantwortlich machen.
Auch das Absammeln
durch den Menschen kann heute wohl nicht als bestandsentscheidend
angesehen werden, denn die Tiere sind streng geschützt und
es ist unwahrscheinlich, dass sich an unseren Gewässern Scharen
von Krebssammlern rumtreiben, ohne dass das jemand merkt. Es würde
sich auch kaum lohnen, denn die Jagd ist mühselig und die
Beute kann man einfacher im Geschäft bzw. bei gewerblichen
Krebszuchten kaufen.
Damit wollen
wir nicht ausschliessen, dass die geringen vorhandenen Bestände
tatsächlich auch durch den Fang gestört werden
können. Ganz sicherlich werden trotz des deutschlandweiten
Verbots jeglicher Störung der einheimischen Populationen durch
das Fangen der Art immer wieder Populationen vernichtet
bzw. in ihrer natürlichen Entwicklung gestört. Das erklärt
aber eben nicht, warum der Edelkrebs sich nicht stärker ausbreitet
in solchen Biotopen, die ihm eigentlich zusagen müssten und
die ziemlich gut geschützt sind.
Eine wichtige
Rolle bei der Dezimierung der Freilandbestände des Edelkrebses
spielen sicherlich die Fressfeinde. Die einheimischen Raubfische
- Barsch und Zander, vor allem aber der Aal
- sind böse Räuber; in geringem Umfang wohl auch Reiher,
Fischotter und Schwarzstorch. Insbesondere die beiden letztgenannten
sind aber selbst sehr seltene Vertreter unserer heimischen Fauna.
Allerdings ist der Fischotter tatsächlich ein Krebs-Liebhaber
und auch in der Lage, mit adulten Exemplaren kurzen Prozess zu
machen. Der gefährlichste Fressfeind aber scheint wirklich
der Aal zu sein, vor allem weil er den jungen Krebsen auch in
ihre Verstecke folgen kann. Aale werden in riesigen Mengen in
den Teichwirtschaften und den Angelgewässern ausgesetzt.
So könnte
man also zu dem Schluss kommen, dass es vor allem die Krebspest
sein muss, die einer Verbreitung des Edelkrebses entgegen steht.
Dies ist auch tatsächlich ein beliebter Schluss. Dem Verfasser
allerdings ist diese Lösung dann doch zu einfach: Wieso ist
dann nicht der amerikanische Flusskrebs (Kamberkrebs) massenhaft
in unseren Gewässern zu finden? Er kommt mit dem Erreger
der Krebspest (ein Fadenpilz mit dem Namen Aphanomyces astaci)
nämlich recht gut zurecht:
Die Bedrohung
durch den Kamberkrebs (Orconectes limosus), eine amerikanische
Flusskrebsart, geschieht auf zweierlei Weg: Erstens verbreiten
Kamberkrebse die gefürchtete Krebspest, eine Pilzerkrankung, gegen
die unsere einheimischen Edelkrebse sehr anfällig sind, die aber
den amerikanischen Verwandten weitaus weniger schadet. Durch die
Krebspest können selbst stabil geglaubte Edelkrebs-Populationen
in kurzer Zeit zusammenbrechen.
Unterschiedlich
von den Wissenschaftlern wird dabei die Frage diskutiert, ob der
Kamberkrebs eher der Verbreiter und die Ursache
dieser Entwicklung ist.
Zweitens
wird dadurch selbst in Biotopen, die eigentlich durchaus noch
als Lebensraum für Astacus astacus geeignet sind, die Art durch
die widerstandfähigeren Kamberkrebse verdrängt. Hier spielt sich
im Wasser also das gleiche Problem ab, das wir bei der Verdrängung
des Nerzes durch den amerikanischen Mink kennen.
Aber
auch diese Erklärung erscheint dem Verfasser unzureichend,
denn es müsste dann (wie oben schon erwähnt) viel grössere
Bestände des Kamberkrebses geben.
Ein
bisher wohl kaum untersuchter Aspekt ist die Populationsdichte:
Die Erfahrungen aus der Krebszucht deuten darauf hin, dass eine
hohe Populationsdichte zu einer stärkeren Fortpflanzungstätigkeit
der Tiere führt. Auch die Besiedlung neuer Reviere - für
die beweglichen Tiere eigentlich kein Problem - scheint erst bei
einem sehr hohen Populationsdruck einzusetzen.
Die
praktische Konsequenz aus dieser Überlegung hiesse,
bei Wiederansiedlungsversuchen nicht breit zu streuen, sondern
in geeigneten Biotopen möglichst viele Exemplare auf möglichst
engem Raum auszusetzen.
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